Brancheninitiative Fahrrad und Bahnen

Ziele die Bike+Ride-Offensive, die ich im Herbst 2018 mitaufgebaut habe, noch auf 100.000 neue Bike+Ride-Plätze, will die Deutsche Bahn nun 1 Mio. neue B+R-Plätze bis 2030 errichten. Als Senior Advisor und Moderator konnte ich sowohl die Überlegungen dazu intern als auch das Entstehen der Brancheninitiative Fahrrad und Bahnen unterstützen. Bund und Bahn wollen den Nahverkehr verdoppeln – die Kombination Fahrrad und Bahnen kann dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.

Die Bike+Ride-Offensive ist mittlerweile gut angelaufen, ein Team von zehn Mitarbeitern sorgte dafür, dass die Durchlaufzeiten bahnseitig von zwei Jahren auf drei Monate schrumpften; kommunenseitig sind sie i.d.R. immer noch viel zu lang. Sollen nun 1 Mio. neue Plätze bis 2030 errichtet werden, wie es das Bundesverkehrsministerium ausgerechnet hat, sind andere Wege und neue Herangehensweisen erforderlich. Im Sommer 2021 war ich dazu als externer Projektmanager für die DB Station&Service tätig. Wir konnten ein Portfolio verschiedene Ansätze entwickeln und haben diverse Gespräche dazu mit dem Ministerium geführt.

Gleichzeitig hat das Bundesverkehrsministerium die Infostelle Fahrradparken ausgeschrieben, um den Kommunen weiter zu helfen. Auch hier konnte ich die DB Station&Service unterstützen, ein attraktives Angebot zu unterbreiten, so dass nun die Infostelle mit fünf Angestellten bei der Bahn die Kommunen begleitet, informiert, Exkursionen in die Niederlanden oder zu anderen sehenswerte B+R-Anlagen organisiert oder die große Bahn.Rad.Parken-Fachkonferenz organisiert. Im Koalitionsvertrag wurde schließlich vereinbart, die intermodale Kombination weiter ausbauen zu wollen.

Nachdem ich entnervt im Regionalexpress an einem Wochenende letzten Sommer den Stress mit der Fahrradmitnahme erlebte, schrieb ich meinen alten Kollegen, den derzeitigen Vorsitzenden von DB Regio an, dass doch hier Handlungsbedarf wäre und mich gerne zwischen die Fronten stelle. Auch aus anderen Ecken kam der Impuls auf, die Rad- und Verkehrsverbände an einen Tisch zu holen und ein Zielbild für die systematische Verknüpfung von Fahrrad und Bahn zu entwerfen.

Seit November moderierte ich dazu diverse Dialogrunden mit adfc, VCD, Allianz pro Schiene, Fahrgastverband Pro Bahn, Branchenverband Zukunft Fahrrad und dem Bundesverband Schienennahverkehr zu den verschiedenen Handlungsfeldern. Die Ergebnisse dazu wurden am 20. Juni 2022 als „Brancheninitiative Fahrrad und Bahnen“ veröffentlicht:

  1. Ausbau des Fahrrad-Parkens: Ausweitung der personellen Planungsressourcen und der Förderinstrumente zu bestehenden Programmen, damit zeitnah (zum großen Teil neue) Fahrgäste ihre Fahrräder sicher und kundenorientiert an Bahnhöfen abgestellt werden können.
  2. Verkehrspolitische Integration von Bike-Sharing und Fahrradverleih in den Kommunen: Durch Fahrradverleih, Sharing-Angebote sowie die Möglichkeit, überzeugende und kombinierte Tarifangebote zu buchen, wird sich die Fahrradmitnahme vielerorts erübrigen und ermöglicht es den Fahrgästen, dass unterschiedliche Verkehrsträger effizienter kombiniert werden können.
  3. Digitale Lösungen zur Information, Planung und Buchung von integrierten Fahrrad- und SPNV-basierten Fahrten: Durch kundenfreundliche und einheitliche App- und Web-Anwendungen lassen sich Fahrrad und Bahnen entlang der gesamten Reisekette vor der Fahrt und in Echtzeit intermodal bestens verknüpfen.
  4. Einfache, incentivierende und steuernde Beförderungsbedingungen: Durch vereinfachte wie kundenfreundlichere Tarifstrukturen, die für Verkehrsverbünde und Eisenbahnverkehrsunternehmen Steuerungsmöglichkeiten bieten, kann die netzspezifische Auslastung im Sinne der Klimaziele und Kundenfreundlichkeit optimiert werden.
  5. Mehr Zug- und Mitnahmekapazitäten, funktionalere Schienenfahrzeuge und komfortablere Anlagen: Zusätzlich muss mittel- bis langfristig der SPNV durch weitere Zugkapazitäten nachhaltig ausgebaut werden. Dazu gehören auch mehr Bahnsteigkapazitäten sowie intelligente Nutzungskonzepte für Züge und Bahnhöfe, um mehr Zugreisende und auch Fahrräder in den heute insbesondere zu Stoßzeiten überlasteten Systemen befördern zu können.

Zu diesen Bereichen sollen in den folgenden Monaten die politischen Positionen, der Finanzierungs- und Handlungsbedarf konkret ausgearbeitet werden, auch hier begleite ich weiter den Prozess.

Weitere Informationen zum Download oder als Link:

Die Informationsseite bei der Deutschen Bahn / DB Regio zur Brancheninitiative Fahrrad und Bahnen.

Das Diskussionspapier Brancheninitiative Fahrrad und Bahnen.

Die Kurzfassung als Flyer dazu.

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