Standard Interview

1) Wann ging wegeheld.org online?

Die Internetseite und kostenlose App sind seit dem 28. März 2014 online. In den ersten 48 Stunden wurde die App über 5000-mal heruntergeladen und war die Nummer 5 im Google-Play-Store Verkehr.


2) Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese/s App/Portal ins Leben zu rufen?

Falschparker mussten sich bislang zu wenig Gedanken um die Konsequenzen ihrer Kavaliersdelikte machen. Im Höchstfall droht eine „Knöllchen“ von 20 Euro, aber auch nur, wenn sie erwischt werden. Leider nimmt Falschparken zu, leider behindern und gefährden Falschparker alle anderen Verkehrsteilnehmer ab der ersten Sekunde: Kinder auf dem Rad, Mütter und Väter mit Kinderwagen, Senioren mit Rollator, Rad- und Rollstuhlfahrer, Fahrgäste im Bus, aber auch Berufskraftfahrer, wie z.B. Rettungsfahrzeuge oder die Müllabfuhr.


3) Können Sie kurz erklären, wie die App funktioniert?

Wenn jemand über einen Falschparker stolpert, kann er oder sie das Smartphone rausholen – und einen WegeAlarm auslösen. Je nach Verärgerungsgrad können verschiedene Eskalations-Stufen gewählt werden: ein einfaches Posting auf www.wegeheld.org, mit oder ohne Foto mit geschwärztem Nummernschild, mit oder ohne einem Spruch oder der Schilderung der eigenen Erlebnisse, auch bei Twitter und bei Facebook oder eine Mail an das zuständige Ordnungsamt.

4) Welche Ziele verfolgen Sie mit Wegeheld?

Wir möchten auf die Rücksichtslosigkeit und das Ärgernis des Falschparkens aufmerksam machen: Erstens möchten wir Autofahrer dazu bringen, nicht mehr falsch zu parken, damit sie keine Behinderung und Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer sind. Zweitens möchten wir Politik, Verkehrsplanern und Initiativen mit der WegeAlarm-Karte zeigen, wie es auf unseren Straßen wirklich aussieht. Wir liefern Daten und Argumente für ein verkehrspolitisches Umdenken - keiner soll mehr wegschauen können. Drittens soll Wegeheld dazu führen, dass sich alle Verkehrsteilnehmer sicher, frei und gleichberechtigt in der Stadt bewegen können - denn das ist die unbedingte Voraussetzung für eine Steigerung des emissionsfreien Verkehrs und für klimafreundliche Städte. Nur genügend freie und sichere Radwege helfen, mehr Menschen aufs Rad zu locken und damit städtische Klimaschutzziele zu erreichen, Falschparker auf den wenigen Radwegen und in zweiter Reihe helfen nicht.


5) Wie viele Menschen haben die App bis jetzt heruntergeladen?

Die Wegeheld-App wurde von 30 000 Menschen heruntergeladen.

6) Funktioniert Wegeheld in allen deutschen Städten?

Ja, die App funktioniert in ganz Deutschland. Die Veröffentlichung auf der Internetseite, bei Twitter und Facebook geht blitzschnell, wenn eine schnelle mobile Internetverbindung vorhanden ist. Die Mail ans zuständige Ordnungsamt funktioniert in den 100 größten Städten. Wer merkt, dass die Mail seines örtlichen Ordnungsamtes fehlt, wird gebeten, diese unter „Ämter recherchieren“ auf der Webseite www.wegeheld.org einzutragen. Wir prüfen das und laden die Mailadressen dann hoch.


7) Gibt es eine Kooperation zwischen Wegeheld und den Ordnungsämtern der verschiedenen Städte? Wenn ja, äußerten sich die Städte bisher eher positiv oder negativ zur App

Durch die Internet-Karte www.wegeheld.org stehen wir in virtueller Kooperation mit allen Ordnungsämtern Deutschlands. Auf dieser Karte ist für jeden Ordnungsamtsleiter zu sehen, wo die Brennpunkte sind und ob seine Mitarbeiter ihren Job richtig machen, den wir als Steuerzahler ja bezahlen. Über die Mails erfahren die Ordnungsämter kostenlos, und in Echtzeit, wo Autofahrer andere Menschen und Berufskraftfahrer besonders stören und in ihrer Mobilität gefährden. Offizielle Kooperationen gibt es nicht: Das wird damit begründet, dass man zu wenig Mitarbeiter hat, um sich um die vielen Bürger-Mails kümmern zu können, die wegen Behinderungen und Gefährdungen durch Falschparker eintreffen.


8) Gab es schon Beschwerden von Datenschützern?

Das gesamte Projekt, die App und die Internetseite wurden vom Berliner Landesbeauftragten für Datenschutz Dr. Dix als datenschutzrechtlich unbedenklich eingestuft, sofern alle Vorgaben umgesetzt werden. Das ist erfolgt und damit gelten App und Web als 100% datenschutzkonform.Bislang gab es keine weiteren Datenschutz-Beschwerden – und das bestätigt uns in unserer strikten Beachtung des Datenschutz-Gesetzes.


9) Ist das nicht ein Internet-Pranger?

Nein, denn es gibt diverse Gerichtsurteile, die keinen Bezug zwischen einem Fahrzeug-Foto und personenbezogenen Daten sehen. Auch hauen gewiefte Anwälte ihre Mandanten regelmäßig aus Anzeigen wegen zu schnellem Fahren oder bei Rot über die Ampel heraus. Begründung: Man wisse ja nicht, wer der Fahrer sei. Diese Logik ist eine klare Absage an die Behauptung vieler Datenschützer, ein Auto sei eine Person.